Sicherheit beim Aufenthalt außerhalb des Gesetzes

Jon Hanna (T.E.R. Vol XV # 3; Übersetzung Hartwin Rohde)

Der folgende Artikel ist eine Übersetzung eines Artiels aus „The Entheogen Review“. Es werden Verhaltensweisen aufgezeigt, die ausschließlich persönliche Belange betreffen und lediglich dazu geeignet sind, das Gefahrenpotential für fremde Menschen zu senken – eine Voraussetzung dafür, selbst in Ruhe gelassen zu werden. Im Anschluss daran ein Leserbrief, der sich mit eher technischen Problemen im selben Kontext beschäftigt.

Im Jahr 2006 war ich Vortragender und Moderator von einigen Veranstaltungen zur Gefahrenvermeidung auf einem einwöchigen Festival zu alternativer Kunst und Kultur Auf dem Festival gab es ein psychedelic-orientiertes Themen-Camp. Meine Hauptbotschaft auf diesen Veranstaltungen war einfach ausgedrückt „Frag nicht nach, sag nicht mehr als nötig“. Ich ermutigte die Zuhörer, eine Kultur der Ignoranz gegenüber Themen des Drogentransportes zu pflegen. Der Grund ist einfach: Wenn Du nichts weißt, so ist es für staatliche Stellen deutlich schwerer, Informationen von Dir zu verlangen, die anderen Menschen Schaden zufügen können – auch Erpressung funktioniert dann nicht. Während viele Beteiligte die Kunst der Verdeckung eigener illegaler Aktivitäten recht gut beherrschen, riet ich diesen, sich mal Gedanken darüber zu machen, dass sie auch nicht das Recht haben, über die illegalen Aktivitäten anderer zu erzählen. Denk mal über folgendes nach: Möchte die Person, die Dir auf einem Festival oder vorher eine Tablette MDMA verkaufte oder schenkte wirklich, dass Du ihren Namen nennst während Du mit anderen über den Erhalt des Trips redest? Möchte die Person, der Du grad einen Trip LSD überlassen hast wirklich, dass Du ihren Namen nennst wenn Du mit anderen über den Verbleib des Trips redest.

Für die meisten Leser der Zeitschrift dürfte klar sein, dass es ein eher schlechtes Benehmen darstellt, Namen in normalen Gesprächen mit Themenbereichen illegaler Aktivitäten zu nennen. Aber Menschen sind gern Geschichtenerzähler. Wir haben gelernt, dass Geschichten interessanter und fesselnder sind, wenn sie mit Details angereichert werden. Manchmal wird der Geschichtenerzähler für wichtiger gehalten, wenn er ab und an mal Namen in die Geschichte einfließen lässt. Als hypothetisches Bespiel dafür: Wenn jemand zusammen mit Albert Hofmann ein Psychedlicum konsumierte, so wird es wirklich schwer, des Doktors Namen aus der Story heraus zu halten. Wenn es an solche Art von Sicherheitsproblematiken geht, sind Menschen unglücklicherweise nicht immer sehr aufmerksam oder haben auch nur eine Ahnung, dass ein Problem entstehen könnte mit dem was sie sagen. Mancher könnte nun mit dem Argument kommen, dass die Person, über die man redet – und die Person mit der man redet ebenso – ein Freund ist und weil wir ja eh alle Freunde und Freunde von Freunden und alle „cool“ sind wäre da kein Problem. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass in den meisten solchen Fällen nichts schlimmes passieren wird. Wie dem auch sei, ich will es auf den Punkt bringen: Wenn Du mein Freund bist, so wirst Du meinen Namen niemals gegenüber irgend jemandem in Zusammenhang mit irgendwelchen illegalen Aktivitäten erwähnen, von denen Du glaubst, ich wäre darin verwickelt. Das erscheint mir als ein guter Standard für die Auswahl meiner Freunde und es er-scheint mir für Euch als guter Standard zur Auswahl Eurer Freunde. Es sollte die Standardform des Umgangs miteinander sein.

  • Ich verließ das Festival mit dem mulmigen Gefühl, dass meine Hinweise eher wie Postkarten an Gott wirkten. Im Verlauf der Festivalwoche wurde ich mehrmals dazu genötigt mehr Informationen zu hören, als ich wollte. Ein paar Beispiele zur Illustration:
  • Zwei ältere und respektierte Mitglieder der psychedelischen Gemeinschaft erwähnten, dass jemand auf der Veranstaltung Sitzungen mit einer recht exotischen Drogenkombination anbot. Eine der beiden Personen erwähnte den Namen des Anbieters und die andere teilte mit, daran teil genommen zu haben.
  • Jemand erzählte mir, dass er einen jungen Fremden auf dem Festival traf, der sich als Untergrundchemiker vorstellte, Analoga zu kontrollierten Substanzen herstellt und ihm einige Proben mit gab.
  • Jemand anders erzählte mir, eine Person getroffen zu haben, die Zugriff auf Grundstoffchemikalien im Wert von hunderttausenden von Dollars hätte und hofft es arrangieren zu können, diese an einen speziellen älteren Chemiker der Gemeinschaft zu spenden.
  • Während ich einen Tag als Helfer im Krisenzelt des Festivals beschäftigt war (das ist ein Ort, an dem Leute landen, die einen schlechten Trip haben – eine nette Einrichtung, die auf den meisten größeren Festivals vorhanden ist), wurde ich Teil einer Unterhaltung mit einem Besucher, der kurz vorbei kam. Unsere Unterhaltung drehte sich um grundsätzliche Fragen zur LSD-Herstellung und der dabei verwendeten Grundstoffe. Ich neige dazu, solche Unterhaltungen eher hypothetisch zu betrachten, eher als Ergebnis intellektueller Spielereien mit keinerlei Bezug zu realen Vorhaben. Na ja, nach einigem Wortgeplänkel erzählte mir diese Person jedenfalls von einem recht großen persönlichen Lager eines direkt verfügbaren Grundstoffes zur LSD-Herstellung. Ich wechselte recht abrupt das Thema und kann mich glücklicherweise weder an den Namen noch an das Aussehen dieser Person erinnern.
  • In einer Zeitspanne von gut 30 Minuten hörte (und überhörte) ich die selbe Geschichte von einigen MDMA Tabletten „die letzten im Versteck“, geliefert an eine bestimmte und jedes mal benannte Person. Ich könnte wetten – einfach weil der enthusiastische Geschichtenerzähler diese Lieferung für symbolisch relevant hielt – dass diese Information auch an weitere Zuhörer verteilt wurde.

Die Organisatoren dieses Kunst- und Kulturfestivals teilten vorher deutlich mit, dass auf ihrer Veranstaltung verdeckte Ermittler von Polizei und DEA (Drogenfahndung der USA) anwesend sind. Mit der Einrichtung des psychedelic-Camps und der wachsenden Aufmerksamkeit für das Krisenzelt änderte sich die Situation mehr denn je in eine Richtung, die man mit „im Trüben fischen“ bezeichnen könnte. Verhaftungen waren zwar nicht an der Tagesordnung, doch selbst der staatliche Informant Gordon Todd Skinner wurde auf diesem Festival 2003 aufgrund seines sorglosen Verhaltens wegen Drogenhandels verhaftet. Man fand in seinem Fahrzeug damals fast 300g MDMA (10 Unzen).

Meine Hinweise haben nicht das Ziel Angst und Misstrauen zu verbreiten. Man könnte vernünftigerweise annehmen, dass viele der Besucher solcher alternativer Kulturfestivals dort auf die eine oder andere Art und Weise wahrscheinlich illegale Dinge tun. Die meisten dieser Leute werden wohl auch nicht festgesetzt. Worauf ich hinaus will ist eigentlich nur folgendes: Für jemanden mit dem Ziel der Informationsbeschaffung wäre es auf’s dra-können dies ein wenig schwerer machen, einmatischste einfach, erhebliche Mengen heftigst fach dadurch, dass wir etwas vorsichtiger sind kompromittierender Daten zu beschaffen. Wir mit dem, was wir so erzählen.

Leserbrief

Auch „Vergessen“ muss richtig gemacht werden!

P. David

In der „Entheogen Review“ las ich einen Artikel „Security Issues In The Underground“. Dieses Thema möchte ich technisch ein wenig erweitern.

Oft wird Kommunikation zwischen Menschen über eMail erledigt. Hier ergibt sich ein weiteres Problem, welches erst einmal nicht sofort offensichtlich wird. Egal wie sehr man sich selbst bemüht, keine Namen zu nennen oder Unterhaltungen zu vermeiden, die sich um illegales Treiben drehen, es wird passieren, dass eMails ankommen, die den Absender – oder schlimmer noch – dritte Personen auf irgend eine Art stark belasten können. Natürlich wird man solche Mails aus dem Posteingang oder (falls man selbst einen Fehler machte) dem Ordner für gesendete Mails löschen, den Papierkorb des Mailprogrammes ebenso und den Korrespondenzpartner bitten das selbe zu tun. Natürlich wird man nun beruhigt sein und annehmen, dass ein berechtigter oder unberechtigter Bedarfsträger das alles nicht mehr sehen kann. Leider liegt man damit falsch. Die meisten Mailprogramme löschen nämlich Mails nicht wirklich. Die Mails legen sie beim Empfang in eine Datenbank und markieren sie nur unterschiedlich. Wurde eine Mail aus dem Papierkorb gelöscht, so ist sie immer noch auf dem Computer, wird nur eben nicht mehr angezeigt. Beim Programm „Outlook Express“ z.B. kann man sich das ganz einfach anschauen. Einfach die Datei „Gelöschte Objekte.dbx“ mit einem Texteditor (z.B. Notepad) öffnen und schon kann die Zeitreise losgehen. Andere Mailclients wie „Thunderbird“ und „Outlook“ sind da nicht anders, auch sie nutzen grundsätzlich eine sehr ähnliche Vorgehensweise.

Nun zum guten Teil: jedes dieser Programme hat Funktionen, die eine Datenbankbereinigung durchführen und die unerwünschten Daten dabei endgültig löschen.

  • Outlook Express: auf das betreffende Mailkonto klicken und Datei – Ordner – Ordner komprimieren
  • Outlook: auf dem Stammordner rechte Maustaste und Eigenschaften – Allgemeines
  • – Erweitert – Jetzt komprimieren
  • Thunderbird: auf das betreffende Mailkonto klicken und Datei – Alle Ordner des Kontos komprimieren.

Das hört sich jeweils sehr komplex an, doch irgendwo in den Einstellungen der Mailclients kann man auch festlegen, dass dieser Vorgang zu bestimmten Zeiten oder Ereignissen automatisch zu erfolgen hat. Ab dem Moment muss man sich dann nicht mehr darum kümmern.

Noch etwas komplizierter wird die Sache bei Freemail-Accounts wie denen von google, msn oder gmx. Hier glaubt man anonym zu sein, ist jedoch über verschiedene Wege doch direkt zu ermitteln, die IP-Adresse des eigenen Rechner ist dabei nur eines der Probleme, welches man mit Anonymisierungsnetzwerken wie Tor umgehen kann. Löscht man dort Mails, so sind diese teilweise noch in den Sicherheitskopien der Anbieter zu finden oder werden überhaupt nicht gelöscht. Ein Blick in die Geschäftsbedingungen der Anbieter kann dort teilweise hilfreich sein.

Ein Beispiel aus dem richtigen Leben zu dieser Problematik: Ein Bekannter erhielt Besuch von einem Stapel Polizeipersonal, welches sich um seine Wohnung kümmerte – Verdacht auf Drogenhandel. Es ward wie erwartet nichts gefunden, doch die Akteneinsicht brachte erstaunliches hervor. Da waren ca. 200 Mails aus mehr als 5 Jahren, alle von besagtem Bekannten an eine bestimmte Person gerichtet (man hatte sich offensichtlich von Amts wegen die Mühe gemacht, alle Mails nach Absender zu sortieren). Von nahezu jeder dieser Mails wusste der Bekannte, dass sie vom Empfänger bereits gelöscht wurden. Dieser besagte Empfänger der Mails war das eigentliche Ziel der Ermittlung. Bei der Untersuchung seiner Rechner probierten die Beamten es dann einfach mal aus und wurden fündig. Das Ergebnis war, dass viele der Korrespondenzpartner dieses Beschuldigten nun Besuch bekamen (einige der Mails sind eben doch falschen Inhalts gewesen). Doch es geht weiter: ein Großteil der besagten Mails war verschlüsselt. Da der Rechner mit dem Schlüssel allerdings untersucht wurde, besteht der einzige Schutz vor einer kompletten Offenbarung der Korrespondenz aller Gesprächspartner des Empfängers nun im Passwort zum Schlüssel – was der Empfänger der Mails vielleicht hinreichend komplex wählte und deshalb bereits vergessen hat.

Noch ein Hinweis auf sinnvolle Kommunikation in diesem Bereich sei erlaubt. Für Instant Messaging (Chat) nutzt man besser Protokolle wie Jabber und idealerweise Zusatzprotokolle wie Off The Record (OTR). Messagelogs sind zu löschen oder gar nicht erst anzulegen. Mails sollten verschlüsselt werden (GnuPG/GPG) und es sollte klar sein, dass alle Beteiligten sicher damit umgehen können.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

 

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