Salvia divinorum, über die Mundschleimhaut aufgenommen

Jonathan Ott schreibt in Pharmacotheon über Salvia divinorum: „… neulich fand ich heraus, daß es unnötig ist, den Saft oder die Blätter zu schlucken und daß die effizienteste Absorption des entheogenen Prinzips durch die Mundschleimhaut geschieht. Nur sechs Blätter gekaut und im Mund behalten … führt zu Wirkungen, die nach etwa zehn Minuten einsetzen und eine bis zwei Stunden dauern.“ Die folgende Beschreibung wurde erstmals in The Entheogen Review, 3/1995 veröffentlicht. Sie wird hier leicht gekürzt wiedergegeben. … Dann versuchte ich es mit 18 großen Blättern, die ohne Stiel 14-18 cm lang waren. Ich rollte sie zu zwei „Zigarren“ zusammen und steckte sie in den Mund. Gelegentlich kaute ich ein wenig, saugte dann wieder daran und behielt den Saft jeweils 3-5 Minuten im Mund. Um eine optimale Resorption zu ge- währleisten, verteilte ich den Saft mit der Zunge über die gesamte innere Ober- fläche meines Mundes. Der Geschmack ist sehr bitter. Dann schluckte ich den Saft und wiederholte den Vorgang solange, bis kein frischer Saft mehr aus den Blättern gesaugt werden konnte. Die leeren „Zigarren“ spuckte ich aus. In den ersten zehn Minuten: nichts. Dann: „WHOW!,, Ich bezweifle, ob ich mich je wieder mit dem Rauchen von Salvia aufhalten werde. Dann überwältigte mich die Wirkung innerhalb von nur einer Minute. Ich versuchte, meiner Frau davon zu berichten, konnte aber nicht mehr geordnet sprechen. Ich war zu überwältigt und konnte nur stottern: „Stark, so stark und wundervoll.“ Diese Unfähigkeit zu sprechen belustigte mich plötzlich ganz unsagbar: Ich begann unkontrollierbar zu lachen und mußte schließlich meinen Kopf tief in die Kissen stecken, da ich meine Kinder, die im Zimmer nebenan schliefen, nicht wecken wollte. … Schließlich bekam ich es unter Kontrolle und legte mich auf den Rücken. Das Zimmer war dunkel. Mit geschlossenen Augen stand ich in eigenartigen Ge- bäuden, ähnlich denen in Fantasy-Gemälden oder alten orientalischen Palästen: die Alhambra von Granada kam mir in den Sinn. Ich sah eine große, fast endlose Halle mit wundervollen Bögen und hunderten von Säulen: Alles in einem seltsamen, schimmernden, grau-blauen Licht mit Farben, die tiefe Magie und Majestät ausdrückten. Dann erinnerte ich mich an Roberts Bericht, wie er unter Salvia zur Pflanze wurde. Sofort wurde ich zu einem Baum mit einer Rinde wie Eiche, tief zerfurcht anzusehen, aber vom Gefühl her irgendwie glatt und feucht. Diese Rinde war ein fühlendes Organ: ich fühlte, wie ein Baum fühlt. Ich weiß, daß das seltsam klingt; aber während es geschah, hatte ich nicht den geringsten Zweifel, daß ein Baum genau auf diese Weise fühlt. Dann spürte ich die Ge- genwart von etwas anderem oder besser: jemand anderem, konnte es aber nicht

sehen. Begleitet war dies von starken Gefühlen, die ich nicht zu beschreiben vermag. Dann spürte ich meine Frau neben mir liegen und fühlte mich plötzlich stark von ihr angezogen – die Wirkung veränderte sich von der eines Entheogens zu der eines Aphrodisiakums…. An Salvia mag ich besonders die starken Emotionen, die es entfesselt und der Fakt, daß die Erfahrung nur eine Stunde dauert. Gewöhnlich bin ich keine leicht zu beeinflussende Person. Ich frage mich daher, ob dieses „zu einer Pflanze werden“, nachdem ich mich an das Erlebnis einer anderen Person erinnert habe, eine erhöhte Beeinflußbarkeit unter Salvia belegt oder ob diese Art von Erlebnis Salvia immanent ist.

Anmerkungen, am folgenden Tag verfaßt: Ich weiss, daß die ganze Geschichte zu einer gewissen Skepsis einlädt. Einen Punkt möchte ich noch etwas deutlicher machen: Ich hab mich nicht in diesen Zustand (Baum) hineingeträumt oder versucht, mir eine Vorstellung zu machen. Ich hatte diesen Lachflash, dann fiel mir kurz die Geschichte von Robert ein, in der er geschrieben hatte, er wäre zur Pflanze geworden (was ich beim Lesen dieser Geschichte einer romantischen Gemütsverfassung des Autors zugeschrieben hatte) und dann, kaum eine Sekunde später, wurde ich zum Baum. Nicht etwa irgend ein Baum, den ich kenne oder gesehen habe, sondern mir wuchsen innerhalb von l oder 2 Sekunden Äste, Zweige und Wurzeln und ich bekam eine Rinde anstelle der Haut. Und dann fühlte ich mich wie ein Baum – ohne vorher jemals eine Vorstellung davon gehabt zu haben, wie sich ein Baum fühlt und auch ohne, daß ich mir das etwa aktiv vorzustellen versucht hätte. Gedanken an Robert – eine Sekunde – Metamorphose – noch eine Sekunde und dann spürte ich einen sanften Wind durch meine Zweige und über meine Rinde streichen. Ich hab so etwas noch nie erlebt, aber es war sehr real, mächtig und kein bischen be- ängstigend. Mir geschah dies alles, ohne daß ich wußte, wie, und ich liess mich staunend wie ein kleines Kind zwischen der Weihnachtsdekoration einer Kleinstadt durch dieses reale Erlebnis treiben. Und selbst jetzt, etwa 18 Stunden später, fühle ich mich nicht nur körperlich und geistig vorzüglich, sondern bin immer noch fasziniert von der unglaublichen Realität, die dieses Erlebnis hatte. (Zumindest, solange ich die Augen geschlossen hielt.) Ein Versuch mit 24 Blättern einige Tage später verlief zwar nicht uninteressant, aber doch weit weniger intensiv als der beschriebene. Einen sehr interessanten Kommentar auf diesen Text bekam ich einige Tage später: ich wunderte mich nachträglich über die trockene, rauhe Oberfläche ,meiner“ Rinde, die ich gesehen hatte, die ich aber gleichzeitig nicht mit meinem glatten, feuchten Gefühl in Übereinstimmung bringen konnte. Ein Freund erinnerte mich dann daran, daß die sichtbare Oberfläche der Rinde tot ist, etwa so wie unsere Haare oder Fingernägel. Die innere, lebendige Schicht ist glatt und feucht.

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